Back to the Roots

Es hat wenig etwas damit zu tun, dass ich vor wenigen Monaten angefangen habe, selbst Musik zu machen. Es hat auch nichts damit zu tun, dass ich zu der Fraktion “Früher war alles besser” gehöre – nein, da bin ich das absolute Gegenteil. Aber, um es mit den Worten des Poeten Jochen Malmsheimer, zu sagen: “Früher war vieles gut.” Und aus welchem Grund auch immer – wohl angeregt durch Arbeitskollegen – habe ich mich an Zeiten zurückerinnert, in der das Musikhören für mich etwas sehr viel Besondereres war, als es das bis heute gewesen ist.

Ich möchte meinen Vater gerne als “audiophil” bezeichnen. Nicht zuletzt durch seine Arbeit hat er immer irgendwelche High-End-Audiogeräte zu Hause gehabt. Da wurden Lautsprecher selbst gebaut, das Rennrad verkauft, um sich einen der ersten CD-Spieler zu kaufen, da war der Schrank voller Schallplatten und man setzte sich gemeinsam auf die Couch, und hörte Musik. Gerne auch etwas lauter. Es existiert ein Foto von mir, da saß ich mit vielleicht drei Jahren vor dem großen Hifi-Turm und hatte den guten, riesengroßen Sennheiser-Kopfhörer auf dem Kopf. Und ich strahle auf diesem Foto!

Musik war also schon immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Und auch das bewusste Hören. Wenn man auf die kleinen Details achtet, wenn man die Augen schließt und den Bass auf sich zurollen spürt (nicht hart und grob, sondern weich und warm). Leider ist mir das in den letzten schätzungsweise 15 Jahren ein wenig abhanden gekommen. Klar, man nimmt sich irgendwann nicht mehr die Zeit dafür. Und Musik hört man dann eher im Auto, oder via In-Ears auf der Straße. Also alles andere als bewusst.

Die Sache mit der Qualität

Womit höre ich also die meiste Zeit Musik? Genau, mit meinem iPhone und meinem Beats-Kopfhörer dran. Wenn am Mac, dann hängen da recht einfache 150€-Teufel-Lautsprecher dran, die zwar einigermaßen voll klingen, aber auch nicht wirklich den Hochgenuss darstellen. Und im Auto… Naja, seit Anfang der Woche (neues Auto) klingt auch das ein wenig besser, aber es ist auch nicht die Welt. Ich glaube, dass die Allgemeinheit es überhaupt verlernt hat, bewusst Musik zu hören, und damit in Verbindung auch darauf zu achten, womit man hört.

Ich spreche nicht von normaler Pop-Musik, die nicht selten lieblos hingerotzt wird, ohne eine ausgeprägte Liebe zum Detail. “Für’s Radio reicht’s halt.” Sie lädt aber selten dazu ein, sich mit geschlossen Augen und einem Kopfhörer auf dem Kopf auf den Boden zu legen, und die feinen Nuoncen herauszuhören und sich in der Musik zu verlieren. Das klappt halt nur mit der entsprechenden Musik, und einer Anlage, die eben diese Nuoncen auch darstellen kann.

Für mich war es nun an der Zeit, genau dahin wieder zurück zu kehren. Zum bewussten Musikhören. Und ich habe ich dementsprechend neu ausgestattet:

Magnat MA 400

Dieser pechschwarze, puristische Verstärker von Magnat ist ein richtiger Röhrenverstärker. Alle Hifi-Begeisterte wissen, dass Röhre schon immer was besonderes war und heute noch ist. Sie klingen einfach wärmer und sauberer, als die, die komplett digital funktionieren. Ja, unter den rein digitalen Verstärkern gibt es eine Menge, die ebenfalls saugut klingen. Aber Röhre – ich wollte da einfach auf das altbewährte setzen. Und ich bin echt happy damit!

Der erste Verstärker kam an, lief einen Tag ganz ordentlich und fing dann an, zu kratzen. Scheinbar war genau die Röhre nicht ganz in Ordnung. Dem Transport geschuldet? Also wieder zurückgeschickt und einen neuen bekommen, der bis heute wunderbar funktioniert. Es ist wirklich ein Erlebnis: man schaltet den Verstärker ca. eine Stunde bevor man sich zum Musikhören hinsetzen will ein. Denn nach einer Stunde ist die Röhre richtig warm und sorgt für den besten, schönsten und harmonischten Klang. Wenn man eine gute Zeit haben will, dann muss man diese auch gut vorbereiten. Klar, der Verstärker klingt von Anfang an herrlich, aber nach der Auswärmphase ist das schon ein Hochgenuss.

Was ich auf keinen wollte: Dolby Surround. Ja, irgendwann wird auch mein Fernseher an diesem Verstärker hängen. Ich mag aber kein Surround. Ich liebe den klaren und eindeutigen Sound von Stereo. Dehalb fiel meine Wahl ebenfalls auf den MA 400. Bezahlbar und nicht allzu fett. Ganz nach meinem Geschmack.

Thorens TD 160

Ja, und jetzt komme ich zu dem Herstück des Ganzen: dem Plattenspieler. Das ist ein großer Schritt für mich gewesen, war ich doch so froh, keine CDs und DVDs mehr zu haben, sondern alles nur noch digital in der Hosentasche. Eigentlich bin ich jemand, der sagt: Je weniger Gegenstände ich besitze, desto frei kann ich mich fühlen. Einen Plattenspieler zu besitzen ist dem im Grunde genommen genau das Gegenteil dieser Philosophie. Man hat ha dann nicht nur die Hardware, sondern sammelt sich nach und nach auch noch einen Stapel an Vinyls an.

Nichts desto trotz: als ich das erste Mal nach vielen, vielen Jahren mit einem Kopfhöhrer vor diesem Plattenspieler saß und das Knistern beim Aufsetzen der Nadel auf dem Vinyl hörte, habe ich eine Gänsehaut bekommen. Und die Dynamik, die eine Vinyl (wenn sie gut produziert ist) abgibt, ist phänomenal. Keine CD, kein digitales Format kommt da mit.

Der Thorens TD 160 stammt aus den 70/80er Jahren und gehörte zu HighEnd-Geräten. Der Holzrahmen ist starr, der Plattenteller und der Arm für den Tonabnehmer sind gesondert gelagert und gefedert. Damit ist das gesamte System sehr viel unfälliger auf Erschütterungen. Was genau für ein Tonabnehmer mein Vater da aus seinen Hifi-Schätzen ausgegraben hat, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass der Klang ein Traum ist.

Bayerdynamic DT 880 PRO

Kommen wir jetzt zu dem “Gerät”, mit dem ich die Musik dann hörbar mache. Derzeit habe ich ja noch keine Lautsprecher. Die kommen irgendwann später mal. Finanziell gesehen ist das Sparen auf einen Urlaub erstmal wichtiger. Deshalb spendierte ich mir einen neuen Kopfhöhrer. Und wie überwältigt ich war! Kein Vergleich zu dem Beats-Kopfhöhrer. BEATS mag zwar ganz nett sein, um damit am iPhone Musik zu hören, aber zu richtigen Musikgenuss taugt er sehr wenig. Das weiß ich jetzt, nachdem ich den DT 880 PRO von Bayerdynamic gehört habe.

Durch seine Impedanz von 250 Ohm ist er an einem normalen iPhone vielleicht nicht so doll nutzbar. Recht leise insgesamt, man bräuchte da schon einen kleinen Vorverstärker. Aber am Magnat-Verstärker holt dieser Kopfhörer alles aus der Musik raus, was nur geht. Da ist kein Bass übertrieben heftig, da ist sind keinen Höhen schrill. Ich habe selten so einen ausgewogenen, angenehmen Klang gehört. Ich liebe das! Des Weiteren sitzt der Kopfhörer wirklich angenehm auf dem Kopf und auf den Ohren. Es ist kein Headphone für unterwegs. Er ist halboffen, das heißt, die gehörte Musik ist außen ebenfalls zu hören und die Umgebungsgeräusche hört man mit den Kopfhöhrern ebenfalls. Er ist also zum Zuhausegenießen.

Ich habe außerdem festgestellt, dass das Produzieren von Musik mit diesem Kopfhöhrer ebenfalls um Länger besser funktioniert. Man hört die einzelnen Tonspuren sehr viel sauberer heraus und kann entsprechend gut abmischen. Es fallen einem so viele Details in der eigenes erdachten Musik auf, dass man noch mehr in die Tiefe gehen kann. Das macht um Längen mehr Spaß!

Fazit

Musik ist etwas Tolles. Und man muss sie irgendwo auch würdigen. Ich freue mich über meine Zeiten, in denen ich einfach wieder bewusst in die Musik eintauchen und Details entdecken kann, die ich vorher nie bemerkt habe. Mit meinem neuen Hifi-Setup gelingt mir das sehr gut und ich bin wirklich happy damit. Ich hoffe, ich werde lange Freude daran haben.

Und das Schönste daran ist: Das ist nicht nur alles ziemlich viel Nerd-Kram, den die meisten wahrscheinlich gar nicht nachvollziehen können. Es tut meiner Seele gut. Sich die Zeit zu nehmen, auf der Couch zu liegen und in die Musik einzutauchen, holt mich komplett runter. Nach einer Stunde fühle ich mich wie neugeboren. Alleine dafür hat sich die Mühe, Suche, Anstrengung und das Geld schon gelohnt.

Die Microsoft Cloud Deutschland

In der vergangenen Woche ist ein Artikel von mir im Blog meines Arbeitgebers erschienen. In diesem erläutere ich, wo die Unterschiede zwischen der europäischen Cloud und der Deutschland-Cloud liegen. Und ich finde das ein äußerst spannendes Projekt, welches die verhältnismäßig wenigen Unternehmensarten abholt, die aufgrund strengerer Auflagen bisher von der Cloud Abstand genommen haben.

Viel Spaß beim Lesen! (Link)

Da wirst du arm

Die Software-Landschaft hat sich stark verändert. Nicht in der Art der Software, sondern in dem, wie man sie als Anwender bezieht. Ich erinnere mich – es war vor unendlich vielen Jahren -, dass es sich der private Mensch regelrecht zum Sport gemacht hat, Software als Raubkopie von irgendwo her zu holen. Ich habe davon nie etwas gehalten – für mich war das immer Diebstahl. Aber in meinem Umfeld war das weiter verbreitet. “Ich gebe doch xxx Mark aus, nur um mal einen Brief zu schreiben.” (Word) Oder: “Ich gebe doch nicht xxxx Mark aus, nur um ein paar Fotos zu bearbeiten.” (Photoshop). Es wurden selbstgebrannte CDs ausgetauscht und dazu die passenden Lizenzschlüssel.

Vor ein paar Jahren änderte sich in der Software-Welt etwas gravierendes. Die Appstores kamen auf. Apple kam mit dem Appstore auf iOS und später auch für den Mac. Android zog nach und letztendlich dann auch Microsoft. Und in diesem Zuge fielen auch die Preise für Anwendungen. Apps für 99 Cent, zwei Euro, fünf Euro. Auf mobilen Geräten war Software plötzlich erschwinglich – und unkompliziert, innerhalb von Sekunden zu haben. Da dachte keiner mehr an Raubkopien (zumal das zumindest auf iOS auch gar nicht möglich war).

Dann kamen in den Appstores die ersten kostenlosen Apps auf, die man mit einem Abo um ihre Funktionen erweitern konnte. In meiner Erfahrung war das so ein Momant, wo einige etwas geschluckt haben. Jeden Monat was zahlen? Aber na gut, sind ja nur zwei oder vier Euro im Monat. Das kann man verkraften.

Aber es dauerte nicht lange, da kamen auch die großen Software-Hersteller auf den Trichter des Abo-Modells. Und plötzlich sind einige Anwender sehr hellhörig geworden. Photoshop und Lightroom für nur 12 Euro im Monat? Wow! Und ich kann das Office jetzt für 70 Euro im Jahr haben? Das ist ja der Hammer! Endlich kann ich mir auch Profi-Software leisten!

Dazu kommt auch noch eine gewisse Flexibilität. Braucht man ein Programm mal für eine gewisse Zeit, bucht man halt auch nur für diese Zeit. Wenn nicht, wird einfach das Abo unterbrochen. Pay what you need – ich finde, das hat was.

Ich war voll dabei!

Ich mag vom Prinzip her dieses Modell. Bringt es doch einige Vorteile. Zum einen hat man als normal sterblicher Mensch wirklich die Möglichkeit, eigentlich unbezahlbare Software zu nutzen. Dazu gehörte für mich eine lange Zeit lang Photoshop und Lightroom. Hat mir als Hochzeitsfotograf in den Anfängen wirklich geholfen. Denn mit einem Schlag 1200 Euro auszugeben, das war einfach nicht drin.

Was ich bekanntlich auch als Abo intensiv nutze, ist Office 365 für Unternehmen. Echtes Exchange und keinen Stress mehr mit dem Sync von E-Mails. Und darüber hinaus ein echtes Office mit allem Drum und Dran (12 Euro).

Ein weiteres Abo ist Babbel, womit ich mein Englisch aufbessere und Norwegisch lerne (15 Euro). Für meine eigene Musik brauchte ich eine Musikbibliothek für klassische Instrumente (40 Euro). Und dann kam da noch die Roland-Cloud, die mir Synthesizer aus den 80er Jahren lieferte und mich total begeisterte (30 Euro). Darüber hinaus kommt noch meine Schlaf-Analyse-App dazu, die ebenfalls noch einmal jährlich mit einem gewissen Obolus zu buche schlägt (1 Euro pro Monat). Apple Music (15 Euro). iTunes Match (gut 2 Euro).

Knoten im Konto

Und jetzt wird das Ausmaß wohl etwas klarer – nur an meinem kleinen Beispiel: Auf der einen Seite sind Abos eine tolle, praktische Sache, auf der anderen muss man zusehen, den Überblick über seine Ausgaben zu behalten. Rechnet man die ganzen kleinen und größeren Software- und Onlinedienste-Abos zusammen, könnte ich mir vorstellen, dass der eine oder andere auf eine beachtliche Summe im Jahr kommt. Und das ist meiner Meinung die Kehrseite der Medaille.

Wie ich jetzt auf dieses Thema komme? Ich habe mir vor längerer Zeit eine App für iOS und den Mac gekauft, die ich regelmäßig, viel und leidenschaftlich gerne verwendet habe: Ulysses. Dafür habe ich auch nicht wenig Geld ausgegeben. Wenn mir etwas gefällt, dann bin ich auch gerne bereitdazu. Gestern aber kam das Grauen: Ulysses steigt von der Kaufversion auf ein Abo-Modell um. Und zwar für alle. Nett: Ich als ehemaliger Käufer bekomme lebenslang 50% Rabatt auf den Abo-Preis. Trotzdem bin ich gerade leicht angesäuert.

Was passiert mit den anderen Apps, für die ich mal viel Geld bezahlt habe? Ich denke da beispielsweise an die erfolgreiche CulturedCode-App “Things”. Oder an eine meiner Lieblingsapps “Mindnode”? Werden wir bald nur noch Abos abschließen können, um Software zu nutzen? Schließlich ist das ja auch ein tolles Mittel, sich als Software-Schmiede ein regelmäßiges Einkommen zu sichern.

Vorschlag zur Versöhnung

Warum macht man es einfach so – der Fairness halber und auch der Auswahl wegen? Man bietet für seine Software einen Festpreis an. Der kann ja meinetwegen auch etwas teurer sein als bisher. Aber so hat man einfach die Wahl, wenn man absoluter Poweruser einer App ist.

Und dann bietet man parallel noch ein Abo-Modell an – für die Unentschlossenen, die Tester, die Quartals-Nutzer und diejenigen, die kein Problem mit einem Abo haben.

Für alle, die viel am Computer sitzen und viel mit Software zu tun haben, kann ein Abo-Modell nicht dauerhaft funktionieren. Es gibt Software, teure und professionelle Anwendungen, da ist die Subscription sinnvoll. Aber diese vielen kleinen Abos, die in Summe zu einem riesigen Batzen werden, das wird mehr und mehr nervig. Leider geht mir Ulysses jetzt verloren. Ich werde dieses Abo nicht eingehen, sondern wahrscheinlich jetzt komplett auf Microsofts OneNote umsteigen, was in Office 365 ja mit drin ist. Sehr schade!

Was ist Eure Meinung zu diesem Thema? Arbeitet Ihr mit Software-Abos? Und wenn ja, wo hört bei Euch der Spaß auf?

Alle lachen über den Apple Pencil

Die Medien. Immer für einen kleinen Aufreger gut. Dieser ist zwar schon älter. Aber da ich einem heute erschienenen Artikel von MobileGeeks wieder einmal darüber gestolpert bin, muss ich mit diesem Thema jetzt einfach mal aufräumen.

Es geht um Steve Jobs, der 2007 bei der legendären Proäsentation des ersten iPhones die Frage stellte: “Who wants a stylus?” Mit anderen Worten: Niemand möchte gerne mit einem kleinen Stift auf dem Display eines Smartphone herumtippen, wenn man auch den Finger dafür nehmen kann. So fein, so gut – dieser Ansatz hat die Art und Weise, wie wir Mobile Computing betreiben grundlegend verändert. Niemand von uns möchte sein iPhone mit einem Stylus bedienen. Und auch später wollte niemand sein iPad mit einem Stylus bedienen.

Aber dann. Wir schrieben das Jahr 2015. Die Geburtsstunde des iPad Pro. Und damit auch Geburtsstunde des Apple Pencil. Mal davon abgesehen, dass die Welt noch nie einen solch guten, präzisen und schnellen Stylus gesehen, war das Gelächter fast noch lauter als die Begeisterung. Sämtliche Medien kramten das alte Zitat “Who wants a stylus?” wieder raus und unterstellten Jobs (wie so oft), er würde sich widersprechen. Aber hat er das wirklich?

Evolution

Keiner würde jemals auf die Idee kommen, sein iPhone mit einem Stylus zu bedienen. Und niemand würde normalerweise auf die Idee kommen, sein iPad mit einem Stylus zu bedienen, wenn es um ganz normale Dinge geht wie im Internet surfen, Texte schreiben oder spielen. Aber das iPad ist so viel mehr geworden. Und wahrscheinlich hat Apple damals selbst noch nicht geahnt, wohin die Reise mit dem iPad geht. Das zeigt allein schon, welche Features für dieses Gerät 2010 herausgestellt wurden. Da war halt noch keine Rede davon, dass man darauf zeichnen und malen können soll. Da war auch noch keine Rede von handschriftlichen Notizen.

Mit anderen Worten: Mit den hinzugekommenen technischen Möglichkeiten sind auch die Ideen gewachsen. Es gab auf einmal Apps für Architekten. Es gab auf einmal Apps, die aufwendige Zeichnungen ermöglichten, oder richtige Malbücher. Und Notiz-Apps, in denen Zeichnungen und handschriftliche Aufzeichnungen möglich waren, schossen auch aus dem Boden. Und schon war ein Bedarf da, den Apple mit seinem Pencil deckte.

Ist die Aussage von Steve Jobs jetzt außer Kraft gesetzt? Nein, natürlich nicht. Denn die normale Bedienung eines Smartphones oder Tablets macht einen Stylus nach wie vor obsolet. Niemand möchte das. Außer man hat einen speziellen Anwendungsfall dafür – einen, der sich erst Jahre später durch die Weiterentwicklung ergeben hat.

Google+ Flashback

Wahrscheinlich halten mich jetzt alle, die das hier lesen für vollkommen bescheuert. Aber gut, dass passiert ja häufiger. Aber in dieser Woche bin zu etwas animiert worden, was am Ende irgendwie ein lustiger Spaß wurde.

Auf Twitter bin ich über folgenden Post gestolpert:

Ach ja, Google+. Die einst große Hoffnung, die Facebook den Krieg erklären wollte. Und wie heftig haben sie nach kurzer Zeit einpacken können. So schnell der Hype da war, so schnell war er dann auch wieder vorbei. Inzwischen sind sogar die +1-Buttons nahezu ausgestorben. Jetzt sind einige Jahre ins Land gegangen. Und wie oft las man zwischendurch Artikel, die von “Läuft super” bis “Sargdeckel schließt sich” reichten.

Nach dem Lesen des Artikels der Washington Post, der beschrieb, dass Google+ eigentlich ganz gut läuft und dass die User insgesamt total happy damit seien, dachte ich mir: “Ach, guck doch einfach mal rein.” Kostet ja nix. Und das tat ich dann auch. Und was ich sah, überraschte mich doch sehr. Das ist echt ein schickes, schlichtes aber auch umfangreiches Social Network.

Folgen und verfolgt werden

Etwas, was damals (soweit ich mich erinnere) noch nicht da war, ist die Möglichkeit, seinem Konto Interessen hinzuzufügen. Wenn ich dann eine Post verfasse, kann ich diesen einem der Interessen hinzufügen.

Beispiel: Ich interessiere mich für Fotografie, Office 365 und Katzenvideos. Veröffentliche ich ein Katzenvideo, ordne ich das der Rubrik “Katzenvideos” zu. Die Personen, die mir gerne folgen, weil sie sich für Office 365 interessieren, können dann ganz einfach sagen, dass sie die Rubrik “Katzenvideos” nicht sehen wollen. Oder aber ich kann als Profil-Eigentümer im Vorfeld sagen, dass man explizit die Rubrik auswählen muss, um die zugeordneten Beiträge sehen zu können.

Wenn also alle das System mit den Sammlungen richtig nutzen, könnte man wirklich ganz konsequent die Themen filtern, die einen wirklich interessieren. Das nervt mich nämlich an all den anderen Netzwerken. Da folgt man jemandem, weil er toll fotografiert oder irgendwelchen interessanten oder lustigen Kram teilt, aber eigentlich will man nichts über Politik wissen. Und trotzdem bekommt man das alles serviert.

Folgt man einer Seite oder Person, kann man sie einem “Kreis” hinzufügen. Das war damals eigentlich DIE große Innovation in Google+. Standardmäßig gab es die Kreise Familie, Freunde und Bekannte. Hat man also einen Post eingestellt, der nur für die Familie gedacht war, dann wählte man den Kreis “Familie” aus. So konnte man wirklich differenziert Nachrichten in seine Timeline kippen. Das klappt heute natürlich nach wie vor. Allerdings kann ich auch ein Beitrag nur einer einzigen oder nur ausgewählten Personen freigeben. Damit fügt sich das Posting zwar in die normale Timeline ein, ist aber recht eingeschränkt sichtbar.

Die Übersichtsseite

Ich bin zu lange von Facebook weg, als dass ich noch wüsste, wie das damals war, beziehungsweise ob sich in der Zwischenzeit irgendwas geändert hat. Google+ bereitet die Beiträge der Seiten, Communities und Personen so auf, dass das schon ein wenig Magazin-Charakter hat. Es macht regelrecht Spaß, die Seite zu überfliegen.

Das meiste, was ich momentan sehe, sind Links zu anderen Webseiten. Diese werden mit einem Auszug des Artikels “auf der anderen Seite” versehen, wie auch, sofern vorhanden, mit einem Bild. Das lockert die Seite ungemein auf und man hat nicht das Gefühl, von Text erschlagen zu werden.

Handelt es sich um einen Beitrag, der direkt auf Google+ geschrieben wurde, sieht man zunächst auch nur einen Auszug des Posts. Klicken man einmal drauf, wird dieser komplett ausgeklappt, klicken man noch einmal drauf, klappt er wieder ein. Das fällt die Seite schön übersichtlich.

Die Übersichtsseite beinhaltet also alles, was diejenigen, denen man folgt, so an Content produzieren. Darüber hinaus sieht man auch die Beiträge, die jene, denen man folgt liken (also +1en). Derzeit folge ich noch keiner Community oder Sammlung. Aber wenn ich dies täte, würden da ganz sicher auch die Posting daraus erscheinen.

 

Aber…

Es ist ruhig in Google+. Besonders in der deutschsprachigen Welt. Einige wenige Konten von denen, denen ich folge, werden zwar noch gefüttert, meist aber wohl automatisiert, parallel mit Twitter und Facebook. Hier und da gibt es dann auch User, die mal Beiträge von jemandem kommentieren. Aber solche, die man aus anderen Netzwerken oder aus dem echten Leben kennt – Fehlanzeige. Oder besser: bisher habe ich zwei wiedergefunden.

Nichts desto trotz: Google+ scheint spannend zu bleiben. Jetzt gerade habe ich sogar den Eindruck, dass es Google noch einmal wissen will. Nicht zuletzt deswegen, weil die Entwicklung wohl weitergeht. WinFuture schrieb heute, dass Google derzeit ein Earle-Access-Programm aufsetzt, um sich Feedback für neue Funktionen zu holen. Und ich habe in den letzten beiden Tagen ein wenig Blut geleckt, werde meinen Account mit ein paar Dingen füllen und schauen, wohin die Reise geht. Wenn es tot bleibt, lasse ich es wieder einschlafen, wenn nicht, bin ich schon da.

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