Wie kannst du nur?!

In den vergangenen Jahren hat es mich beruflich ganz schön durchgeschüttelt. Ich hatte eigentlich nicht vor, so häufig zu wechseln, aber es blieb nicht aus. Mit meinem letzten Arbeitgeberwechsel habe ich allerdings für allgemeine Verwirrung gesorgt, manche schienen gar paralysiert und geschockt. Wie könne ich nur meine Prinzipien über Bord werfen und auf die dunkle Seite der Macht wechseln? Nein, ich bin nicht weder Drogendealer geworden, noch arbeite ich für die Waffenindustrie und bin auch nicht zu Volkswagen gewechselt. Und trotzdem: immer, wenn ich erzähle, was ich so den lieben, langen Tag tue, herrscht auf der Gegenseite für einen Moment Stille. Mund und Augen stehen weit offen.

Aber fangen wir vorne an. Ich bin ein Apple-Nerd. Dagegen kann ich nichts tun,  das hat sich halt so ergeben. Seit nunmehr 15 Jahren arbeite ich privat mit einem Mac und darf Besitzer eines iPhones und iPads sein. Am heimischen TV werkelt ein AppleTV und leistet dort gute Arbeit. Apple Music ist mein täglicher Begleiter, genauso wie die Apple Watch, die ich nach wie vor nicht missen möchte. Ich habe mich mit jeder Software von Apple beschäftigt, inkl. FinalCut und LogicPro, ohne jemals ein Video geschnitten oder Musik produziert zu haben. Ich wollte einfach nur wissen, wie genial das alles funktioniert. Und diese Leidenschaft führte mich dann auch als Mitarbeiter in einen Apple Store. Drei Jahre lang arbeitete ich dort, bis mir die Menschenmassen über den Kopf wuchsen.

Wenn man mir also sagt: “Junge, du hast einen Apple-Schaden”, dann lächle ich kurz und sage: “Stimmt!” Und das hat sich bis jetzt nicht geändert. Inzwischen mache ich 95% meiner privaten digitalen Tätigkeiten auf dem iPad Pro – ein wirklich geniales Stück Hardware. Und wie könnte ich den Alltag ohne Apps wie “Things” oder “Ulysses” oder “VSCOcam” bestreiten? Gar nicht. Also wird sich meine Meinung zu Apple auch nicht so schnell ändern!

Kein Paradigmenwechsel

Was ich aber lernen musste, war, dass man als sogenannter Apple-“Jünger” (was hasse ich doch diesen Ausdruck) mit Mistgabeln aus dem Dorf getrieben wird, wenn man auch nur das Wort Microsoft in den Mund nimmt. Und wenn man dann jemandem erzählt, dass man für einen Microsoft-Partner arbeitet und sich rund um deren Business-Produkte kümmert, sammelt man vorsichtig schon mal ein wenig Holz für den Scheiterhaufen zusammen. Wie man merkt, lebe ich noch. Vielleicht habe ich gut argumentiert, vielleicht wartet man aber auch nur, ob sich das Fieber noch legt.

Und ich stehe daneben und begreife die Aufregung nicht. Weil das eine das andere nicht ausschließt. Microsoft ist mehr als Windows. Und Microsoft liebt Apple und bezieht sie inzwischen bei Ihren Entwicklungen immer mit ein. Neue Software erscheint meist zeitgleich auch für den Mac oder iOS. Vieles ist inzwischen Browser-getrieben – und da ist es am Ende vollkommen egal, was da für Hardware oder Browser auf dem Schreibtisch stehen.

Das, worum ich mich in meinem Job kümmere, ist in erster Linie Office 365. Aber nicht dieses reine Abo-Angebot mit Office und Cloud-Speicher für Privatanwender. Sondern für Unternehmen, die da noch ein paar andere Anforderungen haben, die weit über das hinausgehen, was Apple anbietet. Microsoft sind in meinem Augen die Götter der Cloud-Services für das Business. Sie schaffen es inzwischen, die IT eines Unternehmens fast komplett die in die Cloud zu hieven: den Exchange-Server, das Active Directory, den SQL-Server, die Backup-Systeme und vieles mehr. In einigen Ländern sogar die komplette Telefonanlage. Und das mit allen sicherheitsrelevanten Aspekten, die man sich nur denken kann. Inzwischen sind Daten in der Cloud um ein vielfaches sicherer, als innerhalb der Mauern einer Firma.

Office 365 for Business heißt auch nicht nur, dass man da so ein OneDrive-Speicher von 1TB hat und sich sein Office herunterladen und installieren kann, während man seine Word-, Excel- und PowerPoint-Dateien auch im Browser bearbeiten kann. Das kann Apple mit seinen Programmen inzwischen auch. Aber Office 365 bietet inzwischen Möglichkeiten, die kompletten Unternehmensabläufe in der Cloud abzubilden. Applikationen wie Dynamics, SharePoint (ist nämlich auch sehr viel mehr als eine zentrale Ablagemöglichkeit für Dateien), PowerBI, PowerApps und Flow geben einem Schnittstellen en masse, um eigene oder eingekaufte Anwendungen zu implementieren. Möglichkeiten, die firmeninterne Kommunikation zu vereinfachen, bietet Office 365 ebenfalls, wie mein Artikel über Teams gezeigt hat.

Und bei all dem macht Apple eine außerordentlich gute Figur. Sämtliche Browser-Anwendungen laufen einwandfrei. Auch die installierbaren Programme funktionieren super. Ich liebe zum Beispiel Outlook auf dem Mac! Microsoft gibt sich enorm viel Mühe, Apple bei allem zu berücksichtigen. Alles passt zusammen, niemand muss auf den anderen verächtlich herunterblicken. Die Rivalitäten zwischen den beiden Lagern werden inzwischen nur noch auf User-Ebene geführt. Und, btw., liebe Apple-Fans: wer von Euch hätte das “Surface Studio” nicht gerne von Apple gesehen?

Woran ich mich allerdings noch gewöhnen muss, ist das Arbeiten mit Windows 10. Alles ganz schön ungewohnt, wenn man 15 Jahre OS X gewöhnt ist. Es läuft zwar alles recht stabil, aber intuitiv ist das für mich ganz persönlich noch nicht. Ich brauche da also noch ein wenig Übung. Und wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, freue ich mich nach wie vor auf meinen 9 Jahre alten Mac, der schnurrt wie am ersten Tag. Und auf mein iPad freue ich mich sowieso! Und von Netflix auf dem AppleTV brauche ich gar nicht reden.

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