Mindmapping – was ist das?

Immer, wenn ich auf eine Bühne steige, um einen Vortrag zu halten und andere sehen, was ich als Manuskript mitnehme, kommt die immer gleiche Frage: “Warum nimmst Du denn diesen U-Bahn-Fahrplan mit da hoch?” Gemeint ist die eine Seite mit diesen komischen Ästen und Zweigen und den paar Stichwörtern: meine Mindmap – ein Blatt Papier oder auf meinem Tablet. Und besonders in letzter Zeit höre ich häufiger mal: “Du musst mir das unbedingt mal zeigen, wie das funktioniert.”

Zugegeben, ich tue mich schwer damit, Mindmaps zu erklären. Zumal eine Mindmap immer eine ganz individuelle Sache ist. Ich habe mein eigenes Umgehen damit, und jeder andere wird sich seinen Umgang damit auch erarbeiten müssen. Aber das grundsätzliche Prinzip – das lässt sich sicherlich im Rahmen eines solchen Artikels schon kurz beleuchten. Also legen wir los.

Gedankenkarte

Der Begriff “Mindmap” lässt schon eine Reihe an Ahnungen entstehen: es geht um eine Karte im Kopf. Eine Landkarte ist eine Orientierung, um den Weg zu finden. Man schaut sie sich genau an und sucht nach Orientierungspunkten, die einem später helfen, sich daran zu erinnern (Ja, es gab auch eine Zeit VOR den Navis – wir Alten erinnern uns). Ähnlich funktioniert das Prinzip des Mindmappings: Man bastelt sich eine Karte von Gedanken, die einen an das erinnert, “wo man hin will”.

Die grundsätzliche Idee ist, einen Plan zu haben, der so arbeitet, wie das Gehirn. In der Regel ist das Gehirn auf visuelles ausgerichtet. Ein Bild merkt man sich besser, als einen geschriebenen Text. Wenn wir an ein bestimmtes Bild aus unserem letzten Urlaub denken, beginnt man sich nicht nur daran zu erinnern, sondern außerdem, Assoziationen zu entwickeln. Man verbindet mit einem Bild plötzlich Gedanken, Gerüche, Geräusche und Emotionen. Der altbekannte Spruch beweist sich immer wieder: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Und da sind wir wieder bei dem Punkt, dass jeder seinen eigenen Weg zur Mindmap finden muss. Das erklärt auch, warum Mindmaps so unterschiedlich aussehen können (Link).

Eigentlich würde ich es als Todsünde bezeichnen, Mindmaps NICHT mit der Hand zu zeichnen. Das, was man schreibt oder selbst malt, bleibt natürlich noch besser im Sinn haften und macht das Erlebnis noch einzigartiger, was widerum den Assoziationen zuträglich ist. Ich selbst, der ich Papier hasse und wenn möglich aus meinem Leben verbanne (außer Klopapier natürlich), arbeite auch hier stark digital.

Anwendungsfälle für Mindmaps gibt es sehr viele:

+ Brainstorming
+ Notizen
+ Manuskript für einen Vortrag
+ Ablaufpläne
+ Strukturen darstellen
+ Ideen ordnen

Und noch einiges mehr – da sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Um das Prinzip mal zu zeigen, habe ich hier eine kleine Demo aufgemalt:

Wie man sieht, ist es das Ziel, eine Sache möglichst spartanisch und übersichtlich aufzubereiten. Und dabei gibt es ein paar kleine Regeln, die in der persönlichen Nutzung gerne auch mal gebrochen werden können:

Das Zentrum Im Zentrum einer Mindmap sollte das Thema definiert werden – wenn es geht, mit nur einem Wort. Gestaltet man eine Mindmap und arbeitet vielleicht auch so einen Vortrag aus (oder arragiert man seinen Roman damit), ist das eine tolle Hilfe, den roten Faden nicht zu verlieren. Da alle weiteren Punkte von diesem zentralen Punkt ausgehen, ist es besonders komfortabel, immer wieder schnell den Bezug zum Ausgangsthema im Auge zu haben. Sich nie wieder in irgendwelchen Gedanken verzetteln – das war für mich ein großes Learning! Eine Mindmap kann natürlich mehrere zentrale Themen haben, im Optimalfall sollte man aber darauf verzichten.

Das Ein-Wort-Prinzip Man sollte es in einer Mindmap möglichst vermeiden, einen Ast oder einen Knotenpunkt mit mehr als einem Wort zu belegen. Sobald es mehrere Wörter werden, hat das Gehirn wieder viel zu viel zu tun, das alles zu verbinden. Gut gewählte Schlagwörter sind das A und O.

Bilder nutzen Wie oben bereits beschrieben, ist das Gehirn ein visuell arbeitendes Etwas. Erblickt es ein Bild, wird es das sehr viel schneller verarbeiten können und es mit dem verknüpfen, was an Gedanken und sonstigen Assoziationen so zustande kommt. Bei Vorträgen ist das klasse! Denn eigentlich weiß man ja, was man sagen will. Ein gut ausgewähltes Bild oder Foto ist wie ein Magnet, dass die anhängenden Gedanken anzieht und darum gruppiert. Man springt eigentlich nur von Bild zu Bild, der Rest kommt von ganz alleine. Nicht jeder Ast des Baumes muss ein Bild haben, da reicht dann wieder ein Stichwort.

Sollte man sich für die vernünftige Art und Weise entscheiden und wirklich mit der Hand zeichnen wollen, kommt man schnell an den Punkt: “Dat sieht ja Kacke aus!” Ja, Malen und Zeichnen ist nicht jedermanns Sache. Und nein, eine Mindmap muss auch kein Kunstwerk werden. Aber auch das Zeichnen kann man ein wenig trainieren. Als Einstieg dafür habe ich ein grandioses Video von der re:publica aus dem Jahre 2014, dass mich damals fasziniert hat:

Logischer Aufbau Eine Mindmap, die nicht gerade als Brainstorming-Tool genutzt werden soll (das ist am Anfang noch Chaos), schreit förmlich danach, einen logischen Aufbau zu bekommen. So hat ein Konzept, ein Vortrag oder ein Plot immer eine klare Reihenfolge und/oder Hauptthemen; bei Büchern sind es Kapitel, ein Vortrag hat Haupt- und untermauernde Nebenthemen und Konzepte haben im Vorfeld definierte Aspekte. Und so, in dieser Art, baut man auch Mindmaps auf. Es muss für einen selbst logisch sein. Das sorgt am Ende dafür, dass man sich schnell zurechtfindet und das Gehirn nicht überfordert.

Meine Herangehensweise

Ich arbeite nun schon über 20 Jahre mit Mindmaps. Ich habe also schon ein wenig Übung im Sascha-Mindmapping-Style. Und wie ich eingangs schon sagte, muss jeder seinen eigenen Zugang zu den Mindmaps finden. Jeder denkt anders, jeder kann sich Dinge anders einprägen oder folgt einfach einer anderen Logik.

Wenn ich also einen Vortrag ausarbeite, schreibe ich erst einmal ein Wort-für-Wort-Manuskript. Da ich im Vorfeld immer schon eine recht konkrete Vorstellung habe, wie ich das Ganze aufbauen möchte, ist das für mich vollkommen in Ordnung. Sollte ich überhaupt keine Idee bekommen, nutze ich die Mindmaps auch schon mal für das Brainstorming und High-Level-Strukturieren.

Habe ich nach diesem fertigen Manuskript den Vortrag mehrmals in meinem stillen Kämmerchen gehalten, bekomme ich ein Gefühl für die Zeit und die Formulierungen. Wenn das einigermaßen passt, setze ich mich noch einmal hin und verwandle den Textberg in eine Mindmap. Und das ist ein absolut genialer Prozess. Manchmal vergleiche ich das mit “von der Raupe zu einem Schmetterling”:

Da ich durch das mehrmalige Durchsprechen die Etappen des Vortrag gut im Sinn habe und weiß, welche Passagen gut im Kopf sind und welche nicht, habe ich einen Teil der Stichworte schon parat. Ich gebe mir sehr viel Mühe bei der Auswahl der Icons oder Grafiken. Sie sollen nicht nur die Gedanken unterstützen, sondern auch, welche Emotionen ich durch welchen Gedanken wecken möchte. Zuerst folge ich der Reihenfolge aus dem Manuskript. Wenn dann alles vor mir liegt, sehe ich alles noch viel klarer! Die komplette Dramaturgie ist sichtbar und bietet mir Möglichkeit, ins Finetuning zu gehen. Ein ergänzender Punkt hier, ein anderer fliegt raus, wieder ein anderer wird umgesetzt. Und schon wirkt der Vortrag, wie aus einem Guss.

Die Vorträge, die ich bisher im Repertoire habe, halte ich immer wieder und das in unregelmäßigen Abständen. Ab und zu kommt es vor, dass ich einen dieser mal ein paar Monate nicht halte. Und auch hier sind Mindmaps eine großartige Hilfe. Ich brauche ca. 10 bis 15 Minuten, und schon bin ich wieder im Thema. Durch die Bilder und die Abfolge der Gedanken beginnt der Kopf, alle Assoziationen wieder zu aktivieren. Das Gehirn ist schon ein Meisterwerk!

Ich mache meine Mindmaps nicht per Hand. Ich suche mir aber ein paar andere Dinge, die mir helfen, die nötige Bindung zur Mindmap aufzubauen. Wenn man mit der nötigen Emotion herangeht, an die Zuhörer denkt und das, was man da ausarbeitet, selbst für wichtig hält, klappt das auch digital ganz gut. Verwenden tue ich die App Mindnode, die es für den Mac und iOS gibt. Der Sync funktioniert über die iCloud hervorragend (am Mac ausgearbeitet und gleich auf dem iPad für die Bühne zu verwenden).

Natürlich besteht bei einem Vortrag, den man auch noch mehr oder weniger frei hält, immer die Gefahr, ins Plaudern zu geraten und die Zeit zu vergessen. Auch hier hilft eine Mindmap ungemein. Wenn man nämlich merkt, dass man ein wenig in Zeitnot gerät, hat man einen unfassbar schnellen Überblick darüber, was denn noch alles erwähnt werden muss. Vielleicht findet man auch den ein oder anderen Punkt, den man einfach weglassen kann. Es ist so einfach, flexibel zu bleiben!

Mindmaps sind aber kein Wundermittel. Wer Vorträge auf diese Weise hält, muss den Stoff trotz allem sehr gut kennen. Man muss absolut meisterhaft vorbereitet sein, wissen, was man sagen wird, wissen, was man transportieren möchte und wissen, zu wem man spricht. Was hier also ganz toll klingt, bedeutet im Vorfeld harte Arbeit. Die sich dann aber auch später auszahlt.

Mindmapping muss man auch ein wenig trainieren. Ich habe mit ganz kurzen Vorträgen angefangen – 5 bis 10 Minuten. Die ersten Mindmaps waren auch etwas ausführlicher und größer. Versucht, beim nächsten Meeting einfach mal Eure Notizen in eine Mindmap zu packen. Macht das nächste Brainstorming mal als Mindmap. Oder wenn Du eine Idee grob festhalten möchtest, dann schreibe ein Hauptwort auf und lass Zweige für “Vorteile”, “Nachteile”, Next Steps” oder für andere Aspekte der Planung und Überlegung davon abgehen. Du wirst sehen, dass das mit der Zeit immer besser funktioniert und Spaß macht. Dein Kopf wird diese Gedankenkarten immer besser abspeichern können. Vielleicht brauchst du dann ja irgendwann gar keine Zeichnung mehr, weil du die komplett im Kopf entwickelst. Und nach und nach willst Du dieses Werkzeug nicht mehr missen wollen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.