Karten-Wirrwarr

Deutschland ist ein Bargeld-Land. Keine Ahnung, woher die Affinität kommt, aber es lässt sich nicht leugnen. Während moderne Länder, wie beispielsweise Schweden, darüber nachdenken, Bargeld komplett abzuschaffen, ist der Griff zur ec-Karte zwar normal, aber das Höchste der Gefühle. Spricht man über die Kreditkarte, fällt bei vielen ein rotes Tuch. “Uuuh, wenn ich mit Karte zahle, werde ich überwacht! Hui Buh!” In meiner Zeit im Einzelhandel, war ich teilweise erschüttert, mit wie viel Bargeld die Menschen in den Taschen herumliefen. Ich persönlich hasse Bargeld und finde es teilweise schon nervig, selbst die kleinsten Ausgaben nicht mit Karte zahlen zu können. Bargeld ist teuer, sperrig und erfüllt in dieser Welt keinen sinnvollen Zweck. Und auch, wenn viele Händler inzwischen die Möglichkeit der Kartenzahlung anbieten – schlafen tut man hier trotzdem noch.

Wie ich bereits schrieb, bin ich bei der N26 Bank. Und so ein wenig erzieht einen diese Bank, weitgehendst auf Bargeld zu verzichten. Pro Monat hat man fünf kostenlose Barabhebungen am Automaten frei. Jede weitere kostet dann was. Gut, nun sind fünf Abhebungen bei vier Wochen pro Monat auch schon ganz ordentlich, aber ich kenne Menschen, die weit öfter an den Automaten gehen.

Man bekommt  eine Kredit- und eine Maestro-Karte von N26, mit denen man, laut Aussage, so gut wie überall bezahlen kann. Das kann ich so leider nicht bestätigen. Die Maestro-Card ist in diesem Fall keine normale ec-Karte, sondern eine sogenannte Debit-Karte, die einen europäischen Standard darstellt. Damit sollte man eigentlich auch in Deutschland gut bezahlen können. Eigentlich!

Die Welt da draußen sieht allerdings anders aus. In vielen Restaurants, aber auch in diversen anderen Geschäften, wie beispielsweise Edeka-Filialen, ist es anscheinend nicht möglich, mit diesem System zu bezahlen. Ein Anruf bei N26 brachte für mich etwas Licht ins Dunkel. Man sagte mir, dass die klassische ec-Karte ausstirbt und das die Debit-Karte (also Maestro) der Nachfolger ist. Das aber auch schon eine ganze Weile.

Mit anderen Worten: der Einzelhandel und laut meiner Erfahrung auch ein großer Teil der Gastronomie haben es bisher noch nicht für nötig erachtet, Ihre Systeme umzustellen. Was mich in teilweise in ziemlich unangenehme Situationen brachte. Entweder musste ich die Ware an der Kasse liegen lassen und mit leeren Händen nach Hause gehen, oder ich musste jemanden anpumpen.

Auch die Banken scheinen hier Ihre Hausaufgaben nicht zu machen. Würde es nicht in Ihrer Verantwortung liegen, Einzelhändler darüber zu informieren, dass es an der Zeit ist, die Karten-Systeme zu aktualisieren? Ich habe volles Verständnis dafür (gerade weil wir hier in Deutschland in einem fortschrittsfernen Land leben), wenn man keine Kreditkarte akzeptiert. Zumal diese immer noch extrem teuer sind (bis zu 5% pro Transaktion). Aber wenigstens den Nachfolger der ec-Karte sollte doch jeder ins Portfolio angenommen haben.

Deutschland und sein Bankwesen und seine Zahlungsmittel! Während andere Branchen sich kaum retten können vor Innovation und Flexibilität, ist Banking immer noch ein Graus. Ein Beispiel dafür ist auch, dass es Apple einfach nicht schafft, mit “ApplePay” hierzulande Fuß zu fassen, während Länder wie China in dieser Hinsicht an uns vorbeipreschen. Ich bin sehr glücklich, mit N26 endlich ein wirklich modernes und innovatives Konto gefunden zu haben. Wenn jetzt die sonstige Infrastruktur in diesem Land noch passen würde, wäre ich noch glücklicher! Aber ich habe das dumpfe Gefühl, dass ich darauf noch lange warten muss.

0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.