Back to the Roots

Es hat wenig etwas damit zu tun, dass ich vor wenigen Monaten angefangen habe, selbst Musik zu machen. Es hat auch nichts damit zu tun, dass ich zu der Fraktion “Früher war alles besser” gehöre – nein, da bin ich das absolute Gegenteil. Aber, um es mit den Worten des Poeten Jochen Malmsheimer, zu sagen: “Früher war vieles gut.” Und aus welchem Grund auch immer – wohl angeregt durch Arbeitskollegen – habe ich mich an Zeiten zurückerinnert, in der das Musikhören für mich etwas sehr viel Besondereres war, als es das bis heute gewesen ist.

Ich möchte meinen Vater gerne als “audiophil” bezeichnen. Nicht zuletzt durch seine Arbeit hat er immer irgendwelche High-End-Audiogeräte zu Hause gehabt. Da wurden Lautsprecher selbst gebaut, das Rennrad verkauft, um sich einen der ersten CD-Spieler zu kaufen, da war der Schrank voller Schallplatten und man setzte sich gemeinsam auf die Couch, und hörte Musik. Gerne auch etwas lauter. Es existiert ein Foto von mir, da saß ich mit vielleicht drei Jahren vor dem großen Hifi-Turm und hatte den guten, riesengroßen Sennheiser-Kopfhörer auf dem Kopf. Und ich strahle auf diesem Foto!

Musik war also schon immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Und auch das bewusste Hören. Wenn man auf die kleinen Details achtet, wenn man die Augen schließt und den Bass auf sich zurollen spürt (nicht hart und grob, sondern weich und warm). Leider ist mir das in den letzten schätzungsweise 15 Jahren ein wenig abhanden gekommen. Klar, man nimmt sich irgendwann nicht mehr die Zeit dafür. Und Musik hört man dann eher im Auto, oder via In-Ears auf der Straße. Also alles andere als bewusst.

Die Sache mit der Qualität

Womit höre ich also die meiste Zeit Musik? Genau, mit meinem iPhone und meinem Beats-Kopfhörer dran. Wenn am Mac, dann hängen da recht einfache 150€-Teufel-Lautsprecher dran, die zwar einigermaßen voll klingen, aber auch nicht wirklich den Hochgenuss darstellen. Und im Auto… Naja, seit Anfang der Woche (neues Auto) klingt auch das ein wenig besser, aber es ist auch nicht die Welt. Ich glaube, dass die Allgemeinheit es überhaupt verlernt hat, bewusst Musik zu hören, und damit in Verbindung auch darauf zu achten, womit man hört.

Ich spreche nicht von normaler Pop-Musik, die nicht selten lieblos hingerotzt wird, ohne eine ausgeprägte Liebe zum Detail. “Für’s Radio reicht’s halt.” Sie lädt aber selten dazu ein, sich mit geschlossen Augen und einem Kopfhörer auf dem Kopf auf den Boden zu legen, und die feinen Nuoncen herauszuhören und sich in der Musik zu verlieren. Das klappt halt nur mit der entsprechenden Musik, und einer Anlage, die eben diese Nuoncen auch darstellen kann.

Für mich war es nun an der Zeit, genau dahin wieder zurück zu kehren. Zum bewussten Musikhören. Und ich habe ich dementsprechend neu ausgestattet:

Magnat MA 400

Dieser pechschwarze, puristische Verstärker von Magnat ist ein richtiger Röhrenverstärker. Alle Hifi-Begeisterte wissen, dass Röhre schon immer was besonderes war und heute noch ist. Sie klingen einfach wärmer und sauberer, als die, die komplett digital funktionieren. Ja, unter den rein digitalen Verstärkern gibt es eine Menge, die ebenfalls saugut klingen. Aber Röhre – ich wollte da einfach auf das altbewährte setzen. Und ich bin echt happy damit!

Der erste Verstärker kam an, lief einen Tag ganz ordentlich und fing dann an, zu kratzen. Scheinbar war genau die Röhre nicht ganz in Ordnung. Dem Transport geschuldet? Also wieder zurückgeschickt und einen neuen bekommen, der bis heute wunderbar funktioniert. Es ist wirklich ein Erlebnis: man schaltet den Verstärker ca. eine Stunde bevor man sich zum Musikhören hinsetzen will ein. Denn nach einer Stunde ist die Röhre richtig warm und sorgt für den besten, schönsten und harmonischten Klang. Wenn man eine gute Zeit haben will, dann muss man diese auch gut vorbereiten. Klar, der Verstärker klingt von Anfang an herrlich, aber nach der Auswärmphase ist das schon ein Hochgenuss.

Was ich auf keinen wollte: Dolby Surround. Ja, irgendwann wird auch mein Fernseher an diesem Verstärker hängen. Ich mag aber kein Surround. Ich liebe den klaren und eindeutigen Sound von Stereo. Dehalb fiel meine Wahl ebenfalls auf den MA 400. Bezahlbar und nicht allzu fett. Ganz nach meinem Geschmack.

Thorens TD 160

Ja, und jetzt komme ich zu dem Herstück des Ganzen: dem Plattenspieler. Das ist ein großer Schritt für mich gewesen, war ich doch so froh, keine CDs und DVDs mehr zu haben, sondern alles nur noch digital in der Hosentasche. Eigentlich bin ich jemand, der sagt: Je weniger Gegenstände ich besitze, desto frei kann ich mich fühlen. Einen Plattenspieler zu besitzen ist dem im Grunde genommen genau das Gegenteil dieser Philosophie. Man hat ha dann nicht nur die Hardware, sondern sammelt sich nach und nach auch noch einen Stapel an Vinyls an.

Nichts desto trotz: als ich das erste Mal nach vielen, vielen Jahren mit einem Kopfhöhrer vor diesem Plattenspieler saß und das Knistern beim Aufsetzen der Nadel auf dem Vinyl hörte, habe ich eine Gänsehaut bekommen. Und die Dynamik, die eine Vinyl (wenn sie gut produziert ist) abgibt, ist phänomenal. Keine CD, kein digitales Format kommt da mit.

Der Thorens TD 160 stammt aus den 70/80er Jahren und gehörte zu HighEnd-Geräten. Der Holzrahmen ist starr, der Plattenteller und der Arm für den Tonabnehmer sind gesondert gelagert und gefedert. Damit ist das gesamte System sehr viel unfälliger auf Erschütterungen. Was genau für ein Tonabnehmer mein Vater da aus seinen Hifi-Schätzen ausgegraben hat, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass der Klang ein Traum ist.

Bayerdynamic DT 880 PRO

Kommen wir jetzt zu dem “Gerät”, mit dem ich die Musik dann hörbar mache. Derzeit habe ich ja noch keine Lautsprecher. Die kommen irgendwann später mal. Finanziell gesehen ist das Sparen auf einen Urlaub erstmal wichtiger. Deshalb spendierte ich mir einen neuen Kopfhöhrer. Und wie überwältigt ich war! Kein Vergleich zu dem Beats-Kopfhöhrer. BEATS mag zwar ganz nett sein, um damit am iPhone Musik zu hören, aber zu richtigen Musikgenuss taugt er sehr wenig. Das weiß ich jetzt, nachdem ich den DT 880 PRO von Bayerdynamic gehört habe.

Durch seine Impedanz von 250 Ohm ist er an einem normalen iPhone vielleicht nicht so doll nutzbar. Recht leise insgesamt, man bräuchte da schon einen kleinen Vorverstärker. Aber am Magnat-Verstärker holt dieser Kopfhörer alles aus der Musik raus, was nur geht. Da ist kein Bass übertrieben heftig, da ist sind keinen Höhen schrill. Ich habe selten so einen ausgewogenen, angenehmen Klang gehört. Ich liebe das! Des Weiteren sitzt der Kopfhörer wirklich angenehm auf dem Kopf und auf den Ohren. Es ist kein Headphone für unterwegs. Er ist halboffen, das heißt, die gehörte Musik ist außen ebenfalls zu hören und die Umgebungsgeräusche hört man mit den Kopfhöhrern ebenfalls. Er ist also zum Zuhausegenießen.

Ich habe außerdem festgestellt, dass das Produzieren von Musik mit diesem Kopfhöhrer ebenfalls um Länger besser funktioniert. Man hört die einzelnen Tonspuren sehr viel sauberer heraus und kann entsprechend gut abmischen. Es fallen einem so viele Details in der eigenes erdachten Musik auf, dass man noch mehr in die Tiefe gehen kann. Das macht um Längen mehr Spaß!

Fazit

Musik ist etwas Tolles. Und man muss sie irgendwo auch würdigen. Ich freue mich über meine Zeiten, in denen ich einfach wieder bewusst in die Musik eintauchen und Details entdecken kann, die ich vorher nie bemerkt habe. Mit meinem neuen Hifi-Setup gelingt mir das sehr gut und ich bin wirklich happy damit. Ich hoffe, ich werde lange Freude daran haben.

Und das Schönste daran ist: Das ist nicht nur alles ziemlich viel Nerd-Kram, den die meisten wahrscheinlich gar nicht nachvollziehen können. Es tut meiner Seele gut. Sich die Zeit zu nehmen, auf der Couch zu liegen und in die Musik einzutauchen, holt mich komplett runter. Nach einer Stunde fühle ich mich wie neugeboren. Alleine dafür hat sich die Mühe, Suche, Anstrengung und das Geld schon gelohnt.

Shorty: Simple Complexity

Vor wenigen Wochen ist mein zweiter Tack auf die Welt gekommen. Auf diesen bin sogar noch ein klein wenig mehr stolz, als auf den ersten Versuch. Insgesamt etwas melancholischer, klangvoller, mehr Ambient und wieder mit ein paar Blechbläsern garniert.

Derzeit macht mein 10 Jahre alter Mac nicht ganz so mit, wie ich das gerne hätte. Zumindest mit einem orchestralen Software-Instrumenten ist momentan kein Arbeiten möglich. Deshalb ist die Produktion neuer Track etwas im Stocken. Ich muss mal schauen, ob mir hier irgendeine Lösung einfällt. Aber bis es soweit ist, viel Spaß mit meinem zweiten Werk.

Shorty: Erster musiklischer Versuch

Im Rahmen eines lang ersehnten Wunsches, doch mal endlich damit anzufangen, Musik zu machen, ist mein erster Versuch ein Electronic-Track geworden. Ein par kleine klassische Elemente sind auch mit eingewandert, was hoffentlich eine kleine Vorschau sein wird, für ein paar orchestrale Ideen, die mir seit ein paar Jahren im Kopf herumschwirren. Mein Ziel für diesen Track war es, überhaupt erstmal mit Logic Pro zurecht zu kommen und einen schönen Klangteppich zu erzeugen. Und ich glaube, für einen ersten Versuch ist das ganz nett geworden.

Ich hoffe, dass ich bald die Zeit finden werde, diese in Angriff zu nehmen. Ja ja, die Zeit.

Shorty: ROLI Blocks

Ich bin kein Musiker, würde es aber gerne sein. Ideen sind da, Talent aber nicht. Das ist ja manchmal die Krux. Nichts destotrotz kann man ja interessante Instrumenten-Konzepte toll finden. Und jetzt gerade bin ich mal wieder über so ein nettes Konzept gestolpert, das Lust auf mehr macht! Über Twitter kam folgendes rein:

Es handelt sich um erweiterbare Pads, die sich frei konfigurieren und programmieren lassen. Und die Ergebnisse können sich hören lassen und es sieht so als, als könnte man damit richtig viel Spaß haben! 199€ kostet so ein Block pro Stück. Lässt mit Mac, Windows und iOS koppeln und mit diversen Musikproduktionsprogrammen.

Shorty: Wintergatan und die Marble Machine

Zur Abwechslung mal wieder etwas musikalisches. Und da Skandinavien nicht nur meine hypotische Traum-Auswanderländergruppe ist, sondern auch musikalisch inzwischen zu meinen Favoriten gehört, entführe ich Euch heute mal nach Schweden. Wintergatan sagte mir bis vor Kurzem nach gar nichts. Eher zufällig stieß ich bei Youtube über ein Video, dass mich echt begeistert hat. Musik ist ja schon etwas Kreatives. Aber dann auch die entsprechenden Instrumente in einem unfassbar kreativen Prozess entstehen zu lassen – das hat man nicht alle Tage. Zumindest nicht in diesem überaus aufwendigen Umfang.

Es handelt sich um ein selbstgebautes Murmel-Instrument. Extrem aufwendig gemacht und wie es scheint auch nicht einfach zu spielen. Involviert ist ein Xylophon (könnte eher aber auch Vibraphone sein), kleine Teile, die das Drumset abbilden und ein Bassguitarre. Und alles mechanisch angetrieben. Wahnsinn! Aber ich glaube, jeden verlorene Wort dazu ist zu viel. Man muss es einfach sehen: