Wie ich vor einigen Tagen berichtete, habe ich via WhatsApp-Status verkündet, dass ich mehr und mehr auf die Benutzung dieser App verzichten möchte. Zu sehr nerven mich die Skandale um Facebook und deren Umgang mit Daten. Ich gab in diesem Zuge meine Threema-ID bekannt und bat mein Umfeld doch, sich zu überlegen, mich darin zu unterstützen und für selbst über das Thema Privacy Gedanken zu machen.

Seither darf ich voller Glück verkünden, dass ich 18 neue Kontakte auf Threema verbuchen darf. Es gab also doch einige, die zumindest ins Grübeln gekommen sind. Auch wenn ich wohl keinen davon überzeugen kann, auf WhatsApp komplett zu verzichten (weil, da sind ja alle), ist das schon mal ein kleiner Erfolg. Mal sehen, ob ich noch weitere gewinnen kann.

Threema und die Privatssphäre

Vom Prinzip her mag ich Threema sehr. Das Design der App ist angenehm (hat sogar einen Dark-Mode) und wartet mit ein paar netten kleinen Features auf – abgesehen vom hohen Grad der Verschlüsselung. In Sachen Privatsphäre bietet Threema aber so unendlich viel mehr!

  1. Jeder User hat eine anonyme ID. Man gibt dem Anbieter also nicht erst irgendwelche personenbezogenen Daten von sich, um sich beispielsweise zu registrieren. Man kann seine ID mit einer Mobilfunknummer oder einer E-Mailadresse verknüpfen, um von anderen gefunden zu werden, aber das ist optional.
  2. Threema-Kontakte haben unterschiedliche Vertrauensstufen, dessen Sinn und Zweck auf dieser Seite erklärt werden. Ich finde, hier hat sich wirklich jemand viel mehr Gedanken über das Datenschutz gemacht, als jeder andere.
  3. Nachrichten werden auf keinem Server gespeichert, sondern nur auf den Geräten. Auch Kontaktlisten und Gruppenchats werden nicht zentral gespeichert. Klar, irgendwo muss bis zur vollständigen Übermittlung was zwischengespeichert werden. Aber sobald eine Nachricht zugestellt wurde, wird vom Server alles gelöscht.
  4. Es werden keine Metadaten gespeichert. Das gefährliche an all den Messenger da draußen sind in der Regel nicht die Nachrichten selbst, sondern die Meta-Daten, die entstehen: wer, mit wem, wann, wo und so weiter. Auch hier ist Threema vorbildlich und verspricht, dass keine solcher Logs geführt werden. Argument: Wo keine Daten sind, können auch keine Daten missbraucht werden.
  5. Optional kann man sein Telefonbuch an Threema übermitteln. Das ist eine gängige Vorgehensweise, wenn man gerne wissen möchte, welche der Kontakte ebenfalls bei bei diesem Messenger ist. Im Falle von WhatsApp ist das ein komplettes Desaster: das Adressbuch bleibt bei Facebook liegen und kann von denen genutzt für zig andere Dinge genutzt werden. Zumindest kann Facebook hier unglaublich viele Metadaten herausziehen. Threema geht auch diese Sache anders an. Hier werden alle Daten anonymisiert und nach dem Abgleich und dem Zurückliefern der gewünschten Informationen an den User auch gleich wieder gelöscht.

Man sieht also: es geht anders. Wenn man nur will. Und all das passiert im Hintergrund, ohne dass man irgendwelche IT-Superkräfte haben muss. Gut, die Backup-Geschichten sind so eine Sache. Man muss ein Backup seiner ID machen (sprich, einen Code und ein Passwort irgendwo hinspeichern) und seine Kontakte (incl. Vertrauensstufe) und die Chats entweder in der iCloud oder irgendwo anders ablegen. Aber wer Lesen kann, ist klar im Vorteil. Wem seine Privatsphäre wichtig ist, der scheut sich auch nicht, mal ein paar Sätze zu lesen.

Threema und die Funktionen

Threema war in den letzten Jahre überaus fleißig. Sie haben nicht nur Threema selbst immer weiter entwickelt und sicherer gemacht, sondern verfolgten auch die Idee, Privates von Arbeit und / oder Schule/Uni zu trennen. So findet man im AppStore nicht nur Threema, sondern auch Threema Work und Threema Education. Sie haben alle die gleiche, grundlegende Technologie, erfüllen aber noch speziellere Anforderungen, wie beispielsweise Funktionen zur Administration (MDM). Perfekt auch für Schulen, wenn es um die Kommunikation zwischen Lehrern und Eltern geht. Die Möglichkeiten sind endlos.

Die Standard-App wirkt aufgeräumt und unaufgeregt. Mit anderen Worten: sachlich. Wie eine Messenger-App auch sein sollte. Normale Funktionen wie Nachrichten löschen oder auf eine direkt antworten und zitieren sind vorhanden. Sehr nett ist auch das Liken und Disliken einer Nachricht. Dies kann man nutzen, um einer Information schnell zuzustimmen oder auch nicht – ohne dass der andere durch eine Benachrichtigung gestört wird.

Nett ist auch, dass eine Umfrage-Funktion gleich mit enthalten ist. Das ist beispielsweise etwas, was mir schon immer in anderen Messengern gefehlt hat. Besonders viel Sinn macht das natürlich in Gruppenchats, die es in Threema selbstverständlich auch gibt. Ebenso, wie Sprachnachrichten, Standort senden, Datei schicken oder Fotos anhängen.

Nicht zuletzt ist es auch möglich, mit Threema Telefonate zu führen. Auch hierbei ist auf volle Privatsphäre gesetzt. In den Einstellungen kann ich entscheiden, wie die Telefonate geroutet werden: entweder verschlüsselt direkt zwischen den Geräten, oder verschlüsselt über den Threema-Server. Empfohlen wird ganz klar, die direkte Verbindung zu nutzen. Damit muss bei Threema selbst auch nichts an Daten gepuffert werden.

Wer Threema auf einem Android-Gerät nutzt, darüber hinaus noch die Funktion, einen privaten Chat zu führen. Diese Chats sind durch einen PIN geschützt und können auch aus der normalen Chat-Übersicht ausgeblendet werden. Für iOS steht diese Funktion noch nicht zur Verfügung. Dafür lässt sich aber Threema generell durch den Geräte-PIN und Touch-ID abschließen.

Threema – was fehlt?

Die weite Verbreitung von WhatsApp liegt nicht zuletzt darin, dass es so ein paar Features gibt, auf die die wenigstens verzichten wollen. Ich selbst erwische mich auch oft dabei, dass ich die Status-Funktion einfach klasse finde. Besonders, wo viele Freunde und vor allem Familie weit weg wohnen, ist es halt echt genial, ab und an zu sehen, was so in deren Leben vor sich geht.

Was nicht mehr lange fehlt, weil derzeit in der Beta-Phase, ist Threema als Web-Anwendung. Wenn mal also am PC sitzt, wird man bald ganz normal über den Browser auch Threema nutzen können. Das macht die Kommunikation mit anderen einfacher, weil man dann nicht auf dem kleinen Display herumtippen muss. Sehr angenehm. Ich freue mich definitiv über dieses Feature.

Ansonsten fällt mir nichts weiteres ein, was Threema fehlen würde. Ich bin wieder sehr happy mit der App und würde mir wünschen, wenn noch mehr Leute umsteigen würden. Es müssten sich nur einige mehr durchringen und sagen: „Ich steige jetzt um.“ Und damit würden sie eine Kettenreaktion auslösen. Ehe man sich versieht, wäre ein Großteil ebenfalls dort. Man würde an diese Daten-Messis ein klares Zeichen setzen und hätte etwas zu seiner Privatsphäre beigetragen. Da die App günstige 2,99 € kostet, würde man dem Unternehmen Threema auch wieder ein bisschen Geld in die Kassen spülen, um neue Features zu bauen.

Am Ende hätten alle gewonnen. Ich hoffe, dass die allgemeine Ignoranz für dieses Thema irgendwann dann doch bröckelt.