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2500 Kilometer mit dem Mini Cooper SE

In der Podcast-Episode 10 von Abermillionen Pixel erzählte ich ausgiebig von meiner Odyssee, als ich die 550 Kilometer von Regensburg nach Berlin gefahren bin – mit einem MINI Cooper SE. Nein, es war nicht lustig. Und das aus verschiedenen Gründen:

  • es war schweinekalt, was die Reichweite des Autos minderte
  • Ladesäulen haben nicht funktioniert
  • das eingebaute Navi ist eine Katastrophe

Dementsprechend hippelig war ich, als meine Frau und ich beschlossen, mit eben diesem Auto eine Reise in Richtung Niederlande zu unternehmen. Am Ende waren es ca. 2500 Kilometer, die wir mit dem kleinen Elektro-Stadtflitzer absolviert haben. Wie lief’s denn diesmal?

Planung ist die halbe Miete

Wie im Dezember habe ich auch diesmal die langen Strecken von Regensburg in die Niederlande und zurück mit A Better Route Planner geplant. Bei der Planung habe ich allerdings einen Parameter gesetzt, der mir diesmal eine sehr viel entspanntere Fahrt beschert hat: Bei Minimum der Ladepunkte habe ich 2 eingegeben.

Das hatte nun die Auswirkung, dass Ladeparks ausgewählt wurden, bei denen man davon ausgehen konnte, dass die Ladepunkte auch funktionieren – also nicht solche, die auf irgendwelchen Rastplätzen in absoluter Finsternis stehen, oder auf Geländen bei Autohändlern. Folgenden Anbieter habe ich angefahren:

  • Ionity
  • Fastned
  • Aral pulse
  • 1x E.ON war dabei, das war aber ausnahmsweise mal eine gute Säule

Ja klar, Ionity und Fastned gehören zu den sogenannten Höchstpreis-Anbietern. Wobei letzterer meines Wissens nach 59 Cent pro kWh nimmt, was inzwischen auch der normale Preis bei EnBW/ADAC für DC-Laden ist. Bleibt also Ionity mit seinen 79 Cent der Ausreißer. Aber ich hatte Urlaub, wollte mich nicht mit defekten oder komplizierten Ladesäulen herumschlagen. Und ja, ich hatte an keiner der Säulen irgendein Problem.

So konnte ich auch in A Better Route Planner mit einem besseren Gefühl den Wert ändern, mit welchem Akkustand ich ungefähr an der Säule ankommen möchte. Hatte ich mir vorher immer einen Puffer von 20% eingeräumt, stellte ich den Wert dann irgendwann auf 10%, was mir vielleicht den ein oder anderen Kilometer mehr zwischen den Ladestopps ermöglicht hat.

Wenn Systeme nicht zusammenarbeiten

Wie bereits erwähnt, ist das Navigationssystem im MINI (welches ich bereits in meinem BMW X1 hatte) absolut untauglich für ein Elektroauto. Ich verstehe ja, dass der MINI als Stadtauto konzipiert ist. Aber ich möchte zumindest die Möglichkeit haben, auch mal eine längere Strecken damit zu absolvieren. Und dafür ist das Navi einfach nicht gedacht:

  • Ich kann keine Ladeplanung durchführen, sondern immer nur den nächsten Ladestopp definieren.
  • Wenn ich den Ladepunkt auswählen möchte, erkenne ich nicht, auf welcher Seite der Autobahn dieser liegt.
  • Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass das Auto nicht einmal im Ansatz die mögliche Reichweite ausnutzt – abhängig von meiner Fahrweise.

Allerdings gab es in der Zwischenzeit bei A Better Route Planner eine kleine, aber nicht gerade unwichtige Änderung: die App unterstützt nun Apple CarPlay und kann als richtige Navigationslösung arbeiten. Und das war natürlich eine Erleichterung. Route geplant, gespeichert und im Auto abgerufen und die Navigation gestartet. Und alles in allem hat das auch super funktioniert – wenn nicht ab und an das GPS-Signal vom iPhone super schlecht gewesen wäre und alles durcheinander geraten ist.

Auch wenn ich mit der App insgesamt recht zufrieden war, gibt es dennoch ein entscheidendes Manko. Sie arbeitet nicht mit dem Auto zusammen. Soll heißen, dass ein Navi, welches keinerlei Informationen über Ladestand und aktuellen Verbrauch bekommt, nur halb so gut funktioniert. Es gibt eine kleine Lösung über die das System von Tronity.io, welches Werte aus dem Mini-System (Mini Connected) ausliest, die ich dann mit A Better Route Planner wieder abgreifen kann. Das Problem ist nur, dass MINI keine Echtzeitdaten ausgibt, sondern immer den Start und das Ende einer Fahrt. Warum das so ist, weiß ich nicht, MINI/BMW scheint keine Lust zu haben, eine anständige API zur Verfügung zu stellen. Aber genau hier das Problem. Warum?

Wenn ich losfahre, bekommt A Better Route Planner den aktuellen Akkustand von Tronity. Im weiteren Verlauf schätzt der Routenplaner mangels Echtzeitdaten dann den Verbrauch auf Basis der Geschwindigkeit, die wahrscheinlich über GPS ermittelt wird. Nun kann ich aber extrem energiesparsam fahren. Sprich: Ich fahre im Green-Modus, arbeite viel mit der Rekuperation und beschleunige behutsam. Das hat mich zwischenzeitlich auf einen Durchschnittsverbrauch von 14,6 kWh / 100 km gebracht. Es dauerte also nicht lange, und die Differenz zwischen dem geschätzten Akkustand und dem realen stand bei 20-25 %. Hätte A Better Route Planner von dem realen Akkustand gewusst, hätte ich mir unter Umständen einen Ladestopp auf der Fahrt sparen sparen können.

Das Zwischenfazit: Mit der Elektromobilität ist alles vollkommen in Ordnung. Auch um das Ladenetz muss man sich zum jetzigen Zeitpunkt keine Sorgen machen. Das klappt einwandfrei. In meinem speziellen Fall liegt das Problem einzig und allein an meinem Auto, welches einfach nicht auf dem aktuellen Stand der Technik ist. Ich bin sehr froh darüber, dass es in den meisten anderen Fahrzeugen inzwischen sehr viel besser funktioniert:

  • Es gibt eine On-Board-Routenplanung,
  • die Routen werden angepasst, wenn sich die Umstände ändern, wie z.B. eine energiesparendere Fahrweise,
  • man kann häufig nach den Ladesäulen filtern, die man haben möchte (z.B. nach Ladeleistung),
  • und man braucht nahezu keinerlei Apps oder andere Hilfsmittel mehr.

Anstrengend, aber es wird besser

Ja, wir hatten eine recht anstrengende Fahrt. Nicht anstrengend im Sinne von „die Elektromobilität ist noch nicht soweit“. Was das anging war alles spitze. Aber mit diesem kleinen Auto ist das nicht ganz so toll. Es ist wie gesagt ein Stadtauto, und dementsprechend ist auch die Reichweite. Aber das ist auch der einzige Knackpunkt. Stelle ich mir ein E-Auto vor, welches so um die 350 Kilometer Reichweite hat, wäre der Unterschied zu einem Verbrenner nur noch verschwindend gering. Darüber gibt es NICHTS mehr zu diskutieren.

Aber auch, wenn es nicht ratsam ist, mit einem MINI Cooper SE eine solche Reise zu unternehmen, so habe ich auch diesmal wieder viel gelernt. Und genau das war ja auch einer der Gründe, weshalb ich mich für dieses Auto entschieden habe. Vollkommen der Elektromobilität ausgeliefert. Ohne Auffangnetz, einfach hautnah – auf die harte Tour halt. Und mit dem Wissen, welches ich mir jetzt so allmählich aufbaue, kann ich nur profitieren. Und mit dem nächsten E-Auto wird eh alles sehr viel besser. Knapp zwei Jahre fahre ich den MINI noch. Da wird die ein oder andere Dienstreise mit dabei sein und auch die einige Fahrten nach Berlin. Und wer weiß, wo sonst noch hin. Und ja, darauf freue ich mich, weil es trotz der Herausforderungen irgendwie auch Spaß macht.

Die Rückfahrt von den Niederlanden nach Regensburg hat fast 11,5 Stunden gedauert – für 800 Kilometer Autobahn und mit Ladepausen. Bei der ersten langen Reise im Dezember 2020 hatten wir 10 Stunden für 550 Kilometer auf der Uhr. Insofern haben sich die Erfahrungen ganz gut ausgezahlt. Nicht zuletzt sei erwähnt, dass auch die Stromversorgung an den Hotels und Ferienparks, wie auch in den niederländischen Städten ziemlich gut war.

Und am Schluss gibt es noch ein paar Zahlen vom Zeitraum unseres Urlaubs: