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Mercedes und die Elektromobilität

Lasst uns kurz darüber sprechen, wie der Automobilstandort „Deutschland“ momentan dasteht. Lange Zeit war einem Angst und Bange, denn es regte sich in Richtung Elektromobilität rein gar nichts. Volkswagen steckte im größten Skandal ihrer Geschichte und zog Audi und anhängende Firmen mit ins Dunkel. Aber auch BMW und Mercedes kamen nicht ohne blaues Auge davon. Dem gegenüber stand Tesla, die einen Verkaufsrekord nach dem anderen brachen. Hyundai und Kia hatten vor Jahren schon nahezu 9 bis 12 Monate Wartezeit auf ein Elektroauto. Also ebenfalls sehr erfolgreich.

Der Abgasskandal von Volkswagen war allerdings ein Weckruf – zumindest erst einmal für den VW-Konzern. Die neue Ausrichtung stand fest. Der iD.3 kam, dann denn der iD.4 und nun ist auch der iD.5 in den Startlöchern. Die Ausrichtung für die Zukunft von VW ist also klar. Und sie scheinen an dem Kurs festzuhalten, möglichst bald ein reines Elektroauto-Unternehmen zu werden.

BMW spricht zwar immer noch von der Mär der „Technologieoffenheit“, zeigt aber erstes Einsehen, dass alles andere als Elektromobilität im Individualverkehr keinen Sinn macht. Der i3 mag allmählich in die Jahre gekommen sein, hat seinen Kultstatus aber noch lange nicht eingebüßt. Mit dem i4, insbesondere aber dem iX zeigt nun auch BMW, dass sie es noch drauf haben.

Mercedes – der stille Innovator

Kommen wir jetzt aber zum anderen großen Player: Mercedes Benz. Wir erinnern uns: Dieter Zetsche, der ehemalige Daimler-Chef, hat lange für den „guten, umweltfreundlichen“ Verbrennungsmotor Werbung gemacht. Doch 2019 kam der EQC – ein SUV, der laut Berichten von Autotestern und Besitzern sehr viel besser ist, als sein Ruf. Im letzten Jahr kamen dann der EQA und der EQB raus – ebenfalls SUVs in unterschiedlichen Größen. Auch wenn das Mercedes-typisch alles gute Autos sind, stehen sie im Schatten der allneuesten Entwicklungen.

Beginnen wir mit dem EQS. Nein, das ist kein Auto für jeden. Ganz im Gegenteil. Aber mit dem EQS hat es Mercedes allen gezeigt. Und das aus zwei Gründen:

  • Der EQS ist ein Meisterstück der Verarbeitung und der Laufruhe. Er spielt momentan einfach in einer anderen Liga und wird von vielen momentan als das beste Elektroauto der Welt gefeiert. Was die Fähigkeiten des autonomen Fahrens angeht, könnte Tesla noch die Nase vorn haben, spielt aber zumindest hier in Deutschland eh noch keine große Rolle.
  • Aber der erste Punkt ist im Grunde unwichtig. Viel entscheidender ist, dass sich Mercedes scheinbar ein Thema auf die Fahne geschrieben hat: Elektroautos ja, aber richtig effizient. Und so gibt es wohl keinen anderen Wagen in dieser Klasse, den man so sparsam fahren kann. Mit seinem ca. 100 kWh-Akku soll man mit ihm ca. 800 km schaffen. Locker.

Wenn Mercedes also ein neues Modell plant, hat das Auswirkungen auf alles, insbesondere darauf, den cw-Wert – also den Luftwiderstand – zu verringern. So ist der EQS mit einem cw-Wert von 0,2 das windschnittigste Auto der Welt. Und das hat einen ganz entscheidenen Einfluss auf die Reichweite. Ja, an die Karosserie-Form muss man sich gewöhnen, aber die kennen wir bereits. Diese Tropfen-Form ist nicht neu bei Mercedes – die haben diverse Verbrenner-Modelle ebenfalls.

Und jetzt der EQXX

Jetzt stellte Mercedes sein Konzept EQXX vor. Ich mag Konzepte eigentlich nicht, weil in der Regel am Ende kaum noch etwas davon übrig bleibt. Da Mercedes aber davon spricht, dieses Modell jetzt so zulassen zu wollen, kann man schon offen darüber sprechen. Was ist das Besondere an diesem Modell?

Gleicher Akku, aber nochmal mehr Reichweite. Gut 1000 Kilometer mit einer Ladung soll er schaffen. Und hier sprechen wir nicht von WLTP oder sonstigen praxisfernen Werten, sondern von realen 1000 Kilometern. Und hier sieht man wahrlich die Ambitionen von Mercedes: Das was vorhanden ist, noch besser nutzen. Schaffen tun sie es mit sehr viel leichteren Materialen und Karosserieteilen. Unter der Außenschale sind die tragenden Teile teilweise recht „löchrig“, bieten aber dennoch große Stabilität. Aber auch an der Form des Autos hat man noch etwas gefeilt. Und damit ist der EQXX mit einem cw-Wert von 0,18 noch einmal besser als sein größerer Bruder EQS.

Der richtige Weg

Energie ist ein wertvolles Gut – egal, wie diese hergestellt wird. Der Strommix ist momentan noch relativ mies, weil nach wie vor viel Kohle in dreckige Luft verwandelt. Allein deswegen sollte man gut überlegen, wie man mit dieser Energie umgeht. Aber auch, wenn wir mehr und mehr erneuerbare Energien ins Netz einspeisen könnten, bleibt Strom ein weltvolles Gut. Denn der Bedarf weltweit steigt und steigt. Und deswegen ist das Zeichen, dass Mercedes mit seinen aktuellen Modellen gerade setzt, so wichtig.

Mehr Kilometer aus einer kWh zu holen, ist gerade im Automobilbereich (oder Transportwesen) so wichtig wie nie und sollte das Bestreben aller Hersteller sein (und ist auch gerade deswegen der Grund, weshalb eFuels und Wasserstoff so schwachsinnig sind). Die Anzahl der Elektroautos schnellen in Höhe und werden in den nächsten Jahren noch weiter steigen. Das wird sich auf den Strombedarf auswirken. Ja, es wird mit winkender Verbrenneranzahl auch Strom eingespart. Aber insgesamt muss in die Richtung gedacht werden, wo immer es geht, Energie einzusparen.

In Verbindung mit dem EQXX spricht Mercedes davon, dass sie dieses Auto auf einen Verbrauch von 10 kWh auf 100 Kilometern bringen. Das ist wahrlich ein Benchmark für alle anderen Autohersteller – einschließlich Tesla und Hyundai, die bisher als Effizienz-Wunder berechtigter Weise gefeiert wurden.

Es geht aufwärts

Lange hat’s gedauert. Aber so allmählich habe ich den Eindruck, dass auch die deutschen Autohersteller nach und nach merken, dass die Epoche der Verbrenner allmählich dem Ende zugeht. Sie stellen die Weichen. Volkswagen versucht auf Masse zu gehen (wie immer), BMW macht kleine Schritte in die richtige Richtung und Porsche entwickelt sich langsam aber sicher auch weiter (um auch mal in der Lusux-Klasse zu bleiben). Der Taycan ist ein Erfolg für Porsche.

Mercedes Benz scheint aber derzeit einer der Innovatoren in dem Bereich zu sein und zeigt, wohin die Reise geht. Das zu beobachten ist ziemlich spannend. Je mehr Hersteller auf den Markt drängen, desto mehr können wir auch mit Verbesserungen und neuen Entwicklungen rechnen. Und deswegen ist an die dieser Stelle ein kleiner Ausruf passend: Ja, deutsche Autohersteller sind gar nicht mehr weit so hinten an wie vor einiger Zeit. Aber noch lange nicht am Ziel.