Da ich schon fürchterlich aufgeregt bin, muss ich jetzt einfach mal darüber schreiben. Es sind jetzt noch ziemlich genau drei Monate, bis ich meinen vollelektrischen Dienstwagen in Empfang nehmen darf. Und nachdem ich mich bereits seit locker zwei Jahren intensiv mit dem Thema eMobilität beschäftige, ist die Aufregung natürlich besonders groß.

Aus einem anderem Grund wird der Abholtag für mich auch noch einmal besonders werden. Es ist nicht so, dass ich nicht schon mal in einem Elektroauto gesessen hätte. Im Tesla Model S konnte ich schon mal probesitzen, und in dem Auto, welches ich mir bestellt habe, saß ich selbstverständlich auch schon drin. Aber an dem Tag, an dem mir der Schlüssel übergeben wird, wird es das erste Mal sein, dass ich wirklich den Startknopf eines E-Autos drücke und aufs Pedal trete. Ja, ich bin in meinem Leben noch nie mit einem Elektroauto gefahren – auch nicht als Beifahrer. Also all das, was ich in den unzähligen Youtube-Videos gesehen habe, werde ich dann das allererste Mal selbst erleben. Isch hab Puls! 🙂

Was ist es denn nun?

Wir haben in der Firma eine Dienstwagen-Policy, klar. Im Angebot waren VW, Skoda, Seat und BMW. Als es darum ging, die Entscheidung zu treffen, für welches E-Auto ich mich entscheide, war es noch sehr unklar, wie es mit dem iD3 von Volkswagen weitergehen sollte. Erst in den letzten zwei Wochen hat sich ja gezeigt, dass das alles ziemlich problemlos lief und diese Wagen auch schnell lieferbar sein werden. Sehr wahrscheinlich hätte ich mich für die 77kWh-Version entschieden. Aber gut, ich wollte auf Nummer sicher gehen und nicht riskieren, dass ich nicht pünktlich zu meinem neuen Auto komme.

Also liebäugelte ich mit dem i3 von BMW. Aus meiner Sicht eine absolute Ikone. Auch nach den vielen Jahren, die es ihn schon gibt, ist der i3 ein wunderschönes Auto. Modern, extrem sparsam und vom Grundkonzept der Nachhaltigkeit immer noch ungeschlagen und spannend. Aber… meiner Frau gefällt der leider überhaupt nicht. Gut, es ist ein Dienstwagen, kein privates Fahrzeug. Aber trotzdem. Wir machen damit auch viele private Fahrten, und Mann will ja, dass Frau sich wohl fühlt. Also habe ich noch einmal geschaut, was es so gibt.

Am Ende habe ich meine Bestellung für den MINI Cooper SE abgegeben. Selbstverständlich im typischen MINI-Grün mit weißen Dach – so wie es sich für einen MINI gehört. Und in der XL-Ausstattung. Ich wollte unbedingt das zu öffnende Panoramadach haben. Leider konnte ich hier die Lederausstattung nicht abbestellen, was im Sinne der Nachhaltigkeit wünschenswert gewesen wäre. Ja, es ist ein wirklich kleines Auto, dafür aber auch ein Spaßmobil. Mit über 180 elektrischen PS kann man schon mal den ein oder anderen Fahrgast ein Facelifting verpassen. Und vom Design her mochte ich den MINI eh schon immer.

Das Experiment

Derzeit fahre ich einen BMW X1 als Firmenwagen. Ich bin es gewohnt, mit einer Tankfüllung 900 bis 1.000 km weit zu kommen. In den letzten Jahren habe ich mir eine äußerst Sprit sparende und entspannte Fahrweise angeeignet. Groß schneller als 120 km/h fahre grundsätzlich nicht mehr – nicht zuletzt der Umwelt zu Liebe (im Nachhinein habe ich ja schon ein schlechtes Gewissen gehabt, dass ich mich für einen wenn auch kleinen SUV entschieden habe). Hier wird mir also der Umstieg auf das Elektroauto, mit dem man bei entsprechend Ressourcen schonender Fahrweise möglichst viel Reichweite herausholen will, nicht schwer fallen.

Aber, ich bin halt viel unterwegs. Bisher mit einer durchschnittlichen Kilometerleistung von ca. 30.000 km pro Jahr. Ich würde ja gerne mit Bahn fahren, aber… nein, eigentlich möchte ich das nicht. Das ist eine Menge für ein Auto, dass mit 220 bis 270 km Reichweite laut WLTP angegeben ist. Wahrscheinlich wird sich das Kilometer-Volumen nach Corona etwas verringern, weil mehr Kundenbesuche Remote stattfinden werden, aber dennoch: es ist ein Stadtauto und kein Langstreckenwagen. Aber ich habe so ein klein wenig vor, das Gegenteil zu beweisen. Viele halten schließlich auch den BMW i3 für ein Stadt- und Pendler-Auto, was sich nach genauerem Hinsehen aber auch als falsch erwiesen hat. Mit ihm kann man durchaus lange Reisen unternehmen. Bei mir sind es im Jahr schon mal zwei bis drei Reisen von Regensburg zur Familie nach Berlin – gute 550 km pro Strecke. Mit zwei CCS-Laden (50 kWh) ist man da schon dabei.

Überhaupt ist der MINI das erste vollelektrische Auto in der Firmenflotte. Auch aus dieser Sicht ist es mal ein Versuch, wie sich das so macht und was man für Erfahrungen sammelt. Besonders spannend wird es in Verbindung mit dem Laden und den Kosten.

Was für mich auch noch ein Umstieg bedeutet, ist der Größenunterschied zwischen dem X1 und dem MINI. Es wird also nicht mehr möglich sein, “mal eben” das Rennrad hinten reinzupacken. Zumindest vermute ich das. Es gibt keine Möglichkeit, beim Elektro-MINI hinten eine Fahrrad-Halterung anzubauen, wie es beispielsweise bei der Verbrenner-Version möglich ist. Der verbaute Akku braucht wohl den Platz an der Stelle. Und wenn meine Frau und ich mit dem Wagen in den Urlaub fahren, ist auf jeden Fall die Rückbank umzuklappen. Dass das aber kein Problem ist, haben wir mit unserem privaten Opel Adam bereits kennengelernt. Sollte also weniger herausfordernd sein.

Ladekarten-Chaos

Das der Ladesäulen-Markt da draußen eine absolute Katastrophe ist, darüber brauchen wir nicht streiten. Das tut der eMobilität nach wie vor extrem weh. Nicht wegen der Anzahl der Lademöglichkeiten ( das wird ja immer besser), sondern wegen der nicht vorhandenen Transparenz, was Kosten und Anbieter angeht.

Meinen “Stinker” habe ich bisher mit der Tankkarte von DKV Mobility gefüttert. Super einfach: bis auf wenige Ausnahmen haben alle Tankstellen die Karte akzeptiert und der Preis war der, der auf der Tafel stand. Von der DKV gibt es auch schon Ladekarten. Hier sieht das alles aber etwas schlimmer aus. Meine ersten Stichproben haben ergeben, dass DKV am liebsten Ladezeit berechnet und nicht nach kWh. Hier in Regensburg würde ich mit jeder anderen Karte, die ich mir privat besorgt habe (EnBW / ADAC, eins mobil und Maingau), ca. 35 Cent pro kWh bezahlen plus einen Euro pro Stunde, die ich nach Beendigung des Ladevorgangs die Säule belege. Dnd egal ob ich Typ2 mit bis zu 22kW oder via CCS mit bis zu 50kW schnell lade. Mit der DKV zahle ich einfach mal 30€ pauschal für eine Stunde. Das ist teuer. Finde ich.

Es stellt sich also am Ende die Frage: Wie wollen wir es künftig machen? Nehme ich die DKV Karte von der Firma und zahle unter Umständen viel Geld, vereinfache damit aber die Abrechnung für unseren Fuhrpark-Manager? Oder rechnet es sich vielleicht, dass ich das alles mit meinen privaten Karten mache sehr viel günstiger mache, und die Abrechnung dann über die Spesen einreiche?

Ich werde also als Testkaninchen für die Firma viel Buch führen und dann gemeinsam mit meinen Kollegen auswerten. Insofern: egal von welchem Blickwinkel ich das Thema im Oktober / November angehe, es wird spannend und vor allem erhellend werden. Aber eines weiß ich jetzt schon: Ich werde richtig viel Spaß dabei haben!