Die Musik von Christopher von Deylen alias Schiller begleitet mich schon sehr lange – inzwischen sind es über 20 Jahre. Und auch die Anzahl der von mir besuchten Schiller-Konzerte sind inzwischen nicht mehr festzumachen. Und auch diese Woche war es wieder soweit. Ich fuhr nach Dresden, zur Piano & Electronic Tour. Es war allerdings kein Schiller-Konzert, sondern eines von Christopher von Deylen. Das allererste Mal stand er nämlich alleine auf der Bühne – ohne Band, ohne Sänger.

Das spannende an dieser Tour war, dass niemand auch nur den Hauch einer Ahnung hatte, was denn passieren würde. Kein neues Album, keinerlei Informationen im Vorfeld. Einfach nichts. Aufgrund dessen, dass auf der Konzert-Karte wirklich nur Christopher von Deylen stand, bin ich schon davon ausgegangen, dass es nur ihn auf den Bühne gibt und dass es demnach rein instrumental wird. Und damit sollte ich auch Recht behalten.

Aber mit einer Sache hatte ich nicht gerechnet: Dass nicht ein Schiller-Song gespielt wurde. Christopher begann das Konzert mit einem zuerst stark Ambient-anmutenden Track, zu dem sich dann aber irgendwann ein durchaus beachtlicher Beat gesellte. Aha, deswegen heißt das ganze auch “Clubtour”. Das ich Christopher von Deylen überaus sympathisch finde, daraus mache ich keinen Hehl. Er ist einer der erfolgreichsten Produzenten in Deutschland und hat Millionen Platten verkauft. Aber trotzdem scheint er auf dem Teppich geblieben zu sein. Seine ersten Worte auf dem Konzert waren:

Hättet ihr mich vor ein paar Tagen gefragt, was ich auf dieser Tour machen möchte, ich hätte es selber nicht gewusst. Ich hoffe, dass es euch trotzdem Spaß macht. Danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt, zu kommen und zuzuhören.

Christopher von Deylen

In dem Stil der Musik ging es dann weiter. Was man halt von Schiller kennt, aber irgendwie anders. Klangteppiche und Beats, Beats und nochmal Beats. Obwohl ich dem Teil “Piano” aus dem Titel der Tour nicht allzu viel Bedeutung beimessen würde. Ja, es steht ein Klavier auf der Bühne und es macht auch den Anschein von Klavier-Klängen, aber es ist so dermaßen mit Effekten und Hall zugekleistert, dass es auch aus einem Synthie stammen könnte. Aber gut, der Musik tat das kein Abbruch. Die zweieinhalb Stunden waren durchweg tanzbar und haben mir persönlich Spaß gemacht.

Aber… ?

Nein, es ist kein wirkliches Aber. Es war das allererste Konzert der Tour. Da kann man einfach nicht erwarten, dass alles rund läuft. Der Ton war fast durchgehend suboptimal. Am Anfang war der Bass extrem heftig. Ich mag es zwar, wenn er auf die Brust drückt, dass war heftig. Irgendwann pegelte sich das ein, dann wurden die Höhen viel zu schrill, dass es in den Ohren gepfiffen hat. Meine Apple Watch zeigte mir dauerhaft sehr gute 90dB an. Vielleicht werde ich das nächste Mal nicht direkt in der ersten Reihe vor der Bühne stehen, sondern mich in die Mitte platzieren. Und ja, auch die Techniker müssen sich erstmal finden.

Vor der Schiller-Tour “Sehnsucht”-Live bekam Christopher von einem anderen Musiker (ich weiß nicht mehr, wer das war) zu hören, dass er mutiger werden soll. Was immer er damit auch meinte. Auf der Sehnsucht-Tour hab es dann ein paar Tracks, die von ihm und der Band auf der Bühne improvisiert wurden. Ich hatte den Eindruck, dass der Tourauftakt auch mehr oder weniger Improvisation war. Er fühlte sich noch sehr unsicher. Zumindest hat sich Christopher von den Sounds, die er sich überlegt hat, selbst ein wenig treiben lassen. Er war viel mehr ein Deejay an seinen Synthesizers. Diese machten ihre Klänge, die per Mischpult ein- und ausgeblendet wurden, es wurden Regler gedreht und Knöpfe gedrückt und ab und an eine kleine Melodie ins Klavier gespielt. Kleiner Aufwand großer Effekt.

Der Stimmung hat es keinen Abbruch getan. Die war vom ersten bis zum letzten Track absolut klasse! Und selbst von Deylen war überrascht und dankbar. Nicht nur einmal hat er das erwähnt. Ich werde höchstwahrscheinlich das Abschlusskonzert in Berlin besuchen. Dort, wo ich mein auch mein allererstes Schiller-Konzert erlebt habe – in der Kulturbrauerei 2003. Ich kann es kaum abwarten, den Unterschied zwischen diesen beiden Konzerten zu erleben.

Aber auf jeden Fall: Danke Christopher!